Alles digital: iPhoneography

Analog war auch nicht alles “echt”

Analoge Fotografie

In meinen Anfangsjahren als Fotografin habe ich viel Zeit in Dunkelkammern verbracht. Labortechnik war Schwerpunkt meiner Ausbildung und ich weiß, wie man analoge Fotos erstellt und nachbearbeiten kann. Es geht bereits los bei der Wahl der Kamera und des Films sowie Belichtungszeit und Blende. Und es gab allerlei Tricks und Effekte, um ein Foto zu verfremden. Genannt seien hier nur Doppelbelichtungen, Bewegungsunschärfe, Highkey, Lowkey und Effekte, die man mit Filtern oder selbstgebastelteten Linsenvorsätzen erzielte.  Im Labor spielte die Entwicklungszeit des Films eine Rolle, die Wahl des Papiers für die Abzüge, die Belichtung und natürlich auch die Farbfilterung. Wer also glaubt, früher war alles “echt”, der irrt.

Dennoch gibt es einen erheblichen Unterschied zum digitalen Zeitalter, denn es waren keine Maschinen oder Computer, die das Bild bearbeiteten, sondern Fotografen mit großem Fachwissen. Sie wußten genau, was sie taten und hinter jedem künstlerischen Handgriff stand eine Idee. Natürlich wurde auch experimentiert – das gehört dazu. Aber einfach wahllos mal ausprobieren, wie es heute möglich ist, war schlicht und einfach zu teuer.

Die Fotografie als Kunstform

Die Fotografie ist bis Mitte des 20. Jahrhundert nie wirklich als Kunstform anerkannt worden. Erst Pioniere wie Ansel Adams, Imoge Cunningham und andere Schlüsselfiguren der Group f/64 widmeten sich der Entdeckung und Entwicklung dieses Mediums und konnten so die Fotografie als eigene Kunstform etablieren.

Heute wird vielfach über den Wert der Fotografie im digitalen Zeitalter diskutiert. Ob man nun Befürworter oder Kritiker ist – der technologische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Und das ist auch in Ordnung.

Fotografieren mit dem iPhone

Digitale Fotografie in Reinstform ist die iPhoneography. Kamera, Dunkelkammer, Softwareanwendungen und Versendesystem in einem. Für die iPhone-Künstler gibt es weltweite Communities wie iPhoneographyCentral.com oder iPhoneArt.com sowie Festivals und nichtvirtuelle Ausstellungen.

Auch ich fotografiere immer öfter mit dem iPhone und nutze auch einige unterschiedliche Fotografie-Apps um zu lernen, kreieren und experimentieren. Wenn man die Freiheiten und spezifischen Möglichkeiten der iPhoneography richtig einsetzt, kann tatsächlich auch etwas Neues entstehen. Ich habe es ausprobiert.

Software und Techniken

Ich möchte hier keine Empfehlungen für Fotografie-Apps geben, aber zumindest einen Überblick über die von mir am meisten verwendeten Softwareprogramme auf meinem iphone 6s.

Fotografie-Apps auf dem iPhone
Fotografie-Apps auf dem iPhone

Kamera plus Nachbearbeitung:

Ich bevorzuge eine Kamera mit möglichst vielen manuellen Einstellungsmöglichkeiten, besonders bei der Belichtung und Scharfeinstellung. Idealerweise speichert die Kamera auch die Bilder in hoher Auflösung und zusätzlich im RAW-Format. Wichtig für mich ist auch noch der Videomodus mit ähnlichen Einstellungsmöglichkeiten. Die Camera+ als auch die ProCamera bieten darüber hinaus noch umfassende Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Auf die App Hipstamatic gehe ich noch extra ein.

Nachbearbeitung:

Snapseed App
Snapseed: Tools

Viele Kamera-Apps verfügen bereits über zahlreiche Nachbearbeitungstools und für die meisten Anwender ist das auch sicher ausreichend, zumal ohnehin einige Kenntnisse und viel Übung erforderlich sind, um diese auch effektiv einzusetzen.

Snapseed ist ein professioneller benutzerfreundlicher Fotoeditor, der praktisch alles kann. Vor allem bearbeitet er auch Bilder im RAW-Format. Auch Tadaa ist ein guter Alleskönner in Sachen Nachbearbeitung. Ein Muss für jeden echten iPhoneographen ist Enlight. Die preisgekrönte Software ist Nahtstelle zwischen bekannten Steuerungen aus Photoshop und kunstvollen Filtern und Effekten. Mit PhotoRetouch kann man sehr einfach und schnell störende Bildelemente entfernen. Mit iResize kann man das Bild noch etwas verlustfrei vergrößern, so dass es auch für die Druckausgabe geeignet ist.

iPhone-Experimente ohne Ende

Nicht alles geht auf Knopfdruck leichter und schneller. Bevor man loslegt, sollte man sich erst einmal Gedanken über das Motiv und den späteren Verwendungszweck machen. Ratsam ist es auch, bei einer längeren Fotosession die Blutooth- und WLAN-Funktion abzuschalten, um Strom zu sparen, denn die Apps sind sehr datenhungrig.

Auch beim Smartphone muss die Kamera erst einmal richtig eingestellt sein, um ein gutes Bild zu machen. Je besser das Bild schon bei der Entstehung, desto weniger Korrekturen im Anschluss. Nachbesserungen von Belichtung, Kontrast, Sättigung oder Farbtemperatur können die Qualität dann schon deutlich anheben.

Wer die Fotos professionell bearbeiten will, kann mit Hilfe der Softwareprogramme einzelne Details nachbearbeiten, Perspektiven verändern und vieles mehr. Natürlich bieten die Apps auch alle zahlreiche “Looks” an, Rahmen, das Hinzufügen von Text, Doppelbelichtungen, Masken- und Pinselwerkzeuge, quasi Photoshop auf dem iPhone.

Das kann richtig Spaß machen, ist aber genauso aufwendig wie am PC und ganz ehrlich: der große Bildschirm ist definitv besser für die Augen.

Hoher Spaßfaktor mit Hipstamatic

Hipstamatic App

Meine neue Lieblingsapp in Sachen iPhoneography ist Hipstamatic. Ich fotografiere dauernd damit. Besser gesagt, ich probiere ständig etwas Neues aus. Was ist so besonderes an Hipstamatic?

Mit Histamatic kann man aus einer Kamera viele andere Kameras machen. Es gibt nicht nur unterschiedliche Gehäuse, sondern unzählige Linsen und Filme sowie verschiedene Blitztypen, die man verwenden und auch miteinander kombinieren kann. Dies führt jedesmal zu völlig unterschiedlichen und überraschenden Ergebnissen. Die Möglichkeiten sind extrem vielfältig. Ich habe tagelang alle möglichen Kombinationen ausprobiert, um herauszufinden, welche mir am besten gefallen und welche für die Umsetzung meiner Ideen geeignet sind. Und ich hatte jede Menge Spaß dabei!

Fazit zur iPhoneography

Fotokunst mit dem iphone macht Spaß und ist eine ausgesprochen kreative Tätigkeit. Wer sich ernsthaft damit beschäftigten möchte, benötigt aber genauso viel Zeit, Wissen und Ausdauer wie die Fotokünstler der analogen Zeit.

Hier noch eine Buchempfehlung:

Fotokunst mit dem iPhone: 45 Workshops für kreative Fotografen
von Bob Weil und Nicki Fitz-Gerald
Taschenbuch: 330 Seiten
Verlag: dpunkt.verlag GmbH; Auflage: 1., Auflage (30. April 2014)
ISBN-10: 3864901707
ISBN-13: 978-3864901706

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