Der Kunstmarkt ist undemokratisch

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Gastbeitrag von Eva Maria Kränzlein„Der Kunstmarkt ist undemokratisch“ - diese Untersuchung von Magnus Resch hat mich beschäftigt. Ein Gastbeitrag der Künstlerin Eva Maria Kränzlein.

Die Eichenauer Künstlerin Eva Maria Kränzlein hat nach einem Studium an der Universität im Fach Kunsterziehung an mehreren Schulen und Einrichtungen für Erwachsenenbildung unterrichtet. Seit 1985 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig und hat an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen.

Superstars haben den Erfolg gepachtet

„Der Kunstmarkt ist undemokratisch“ – diese Untersuchung von Magnus Resch hat mich beschäftigt. Es geht darum, dass das gesamte Augenmerk auf die großen, angesagten Künstler gerichtet ist, die entsprechend vermarktet werden, und dass es fast keine Bewegung von unten nach oben gibt. Magnus Resch:„ Es gibt ein kleines Netzwerk von Institutionen, die den Erfolg gepachtet haben. Hier werden die Superstar-Künstler gemacht, die unsere Enkel im Museum bestaunen. Alle anderen sind in Insel-Netzwerken, weit weg vom gelobten Land und ohne große Erfolgsaussichten.“

Geld spielt eine große Rolle

Den Hauptgrund sehe ich darin, dass Geld die große Rolle auf dem Markt spielt . Ich denke da an Georg Baselitz, der sich vor ein paar Jahren darüber beschwert hat, dass er nur der zweitbestverdienende Maler in Deutschland nach Gerhard Richter ist und sich deshalb unverstanden fühlt. Das ist wie überall: Die “Oben” haben alle Maßstäbe verloren, heißt es … Auch Musiker und darstellende Künstler haben das Problem, die Großen sahnen ab, und die Kleinen arbeiten für einen Hungerlohn. War das nicht schon immer so? Ja. Gefühlt, angenommen, vermutet – jetzt aber doch repräsentativ untersucht.

Künstler sind Einzelkämpfer

Ich stelle fest, dass Künstler nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Gemeinsam wäre man stärker, wenn man etwas ändern will. Das würde aber Solidarität einfordern. Könnte es die geben? Das Einzelkämpferdasein ist ein eingefahrenes System, in dem die Künstler feststecken: Die „Oben“ verteidigen ihren Status, die unten sind Einzelkämpfer, weil andere auf der gleichen Stufe bei dem Weg nach oben Konkurrenz sein könnten. Hinzu kommt, dass alle ausgeprägte „Individualisten“ sind, eigenbrötlerisch (im wahrsten Sinne des Wortes). Da wird „Gruppe“ schwierig. Extrem viele Sichtweisen und Ansprüche, der Nebenan stört.

Kein Interesse für Kunst

Hinzu kommt, dass sich in unserer Gesellschaft nur ein geringer Prozentsatz für Kunst interessiert oder überhaupt deren Bedeutung erkennt. Erkannt im negativen Sinn wird deren Wichtigkeit in totalitären Systemen, wo Künstler und Intellektuelle als „Feind“ bekämpft werden. Geschätzt werden sie deswegen von unserer Gesellschaft noch lange nicht.

Künstler müssen sich solidarisieren

Ist eine Lösung in Sicht? Vermutlich nein, wenn man auf den Staat oder „die Obrigkeit“ wartet. Hier gilt das ewig gleiche Lied: Man müsste, man könnte, man sollte. Wer ist „man“? Das sind wir selber. Mit solidarischem Verhalten kann jede und jeder jetzt schon bei sich selber anfangen. Auf lange Sicht könnte sich etwas ändern, wenn viele an einem Strang ziehen. Einige Beispiele von gelungenen Künstlervereinigungen und Stiftungen gibt es. Es steckt viel Arbeit dahinter, und es braucht viele Unterstützer von innen und außen.

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