Der Zauber der Polaroid-Fotografie

Lesezeit: 4 Minuten

Ein Polaroid ist einzigartig

In den letzten Monaten habe ich mich sehr viel mit dem Thema Polaroid beschäftigt. Ich habe etliche Bücher dazu gelesen, unterschiedliche Kameras und Filme ausprobiert, fotografiert und experimentiert.

Erstes endgültiges Ergebnis, das nun auch in einer Ausstellung gezeigt wurde, war die Serie “Polaroid Secrets”. Sie sind das Ergebnis einer nachträglichen chemischen Behandlung bereits entwickelter Polaroids. Der Prozess dauert mehrere Wochen, manchmal auch Monate und es erfordert sehr viel Vorsicht, denn das hochempfindliche Material kann schnell zerstört werden.

Seitdem ist meine Leidenschaft für die Polaroid-Fotografie noch größer geworden, denn sie ist eine echte Herausforderung und die Magie dieses speziellen Verfahrens ist bis heute erhalten geblieben. Jedes Bild entsteht im Zusammenwirken zwischen mir als Fotografin, der Kamera, dem Film und der äußeren Umgebung. Die Chemie des Filmmaterials macht aus jedem Bild ein Unikat, abhängig von der Umgebungstemperatur und der Art und Weise, wie man es bei der Entwicklung behandelt.

Polaroids Farbe
Doppelbelichtung mit der Polaroid One Step+

Das nostalgische Feeling spielt für mich dabei eine ebenso wichtige Rolle, denn das analoge Arbeiten macht einfach noch genauso viel Spaß wie früher. Die Polaroid-Fotografie erfordert Zeit und Geduld und jedes Bild muss gut überlegt sein. Ein Polaroid entsteht nicht schnell und sofort (obwohl es Sofortbild heißt, dauert der Entwicklungsprozess je nach Film mindestens 10 Minuten) wie ein Digitalfoto.

Ein Polaroid ist nicht flüchtig, sondern fühl- und greifbar. Es ist einzigartig. Um zu guten Ergebnissen zu kommen, erfordert es eine intensive Auseinandersetzung mit dem Material und dem Motiv. Und es braucht auch viel Übung, denn das Überraschende, Experimentelle ist nicht planbar und hat so einige Tücken.

Unterschiedliche Kameras

Wie schon einmal berichtet, habe ich auch mit einer faltbaren Trennbildkamera, der Polaroid Automatic 250 und der 340 Landcamera aus dem Jahr 1969 gearbeitet. Ich war begeistert und hätte das gerne fortgesetzt, aber 5 Euro pro Bild sind mir dann doch zu teuer.

Polaroid-Serie "Am See"
Polaroid-Serie “Am See”, fotografier mit der Polaroid One Step+

Die 600er Polaroid Impulse AF war mir dann aber zu simple, denn mit dieser Kamera hatte ich praktisch keinerlei Einstellungsmöglichkeiten. Sie ist einfach nur zum Knipsen gut.

Erst mit der neuen Polaroid One Step + i-Type Camera konnte ich für mich zufriedenstellende Aufnahmen machen. Die Kamera ist dem Original von 1977 nachempfunden, kann aber dank zusätzlicher moderner Technologie weit mehr als der Oldtimer. Das Handling ist das gleiche wie damals, aber mittels App sind z.B. Doppelbelichtungen und manuelle Belichtungseinstellungen möglich. Die Filme sind leicht zu bekommen und kosten, naja, auch noch 2 Euro pro Bild. Aber das lohnt sich, zumal jedes “schlechte” Bild ja noch weiter verarbeitet werden kann.

Die legendäre Polaroid SX 70

Polaroid SX-70
Sieht ziemlich ramponiert aus, funktioniert aber noch: die legendäre Polaroid SX-70

Mein Traum war aber eine Original-Kamera der SX 70-Serie, so wie sie Fotografen wie Ansel Adams, Andy Warhol, Helmut Newton oder Walker Evans schon benutzt haben. Jetzt habe ich die legendäre Faltkamera Model Alpha 1 endlich zu einem sehr günstigen Preis bei ebay erwerben können. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie ist für das künstlerische Arbeiten, so wie ich es mir vorstelle, am besten geeignet.

Die Kamera aus dem Jahre 1975 hat ein faltbares Kunststoffgehäuse, das mit braunem Leder überzogen ist. Ihr Objektiv verfügt über eine Brennweite von 116 mm, eine maximale Blendenöffnung von f/8, besteht aus vier Glaslinsen und kann auf Motive fokussiert werden, die lediglich 26,4 cm entfernt sind. Eine Automatik sorgt mittels einer neben dem Objektiv angebrachten Fotodiode für die korrekte Belichtungszeit zwischen 1/175 und mehr als 10 Sekunden. Sie verfügt über eine Fokussierhilfe, eine Entfernungsskala auf dem Objektiv, ein Stativgewinde und einen Tragegurt.

Polaroid mit der SX-70
Erstes Polaroid mit der SX-70

Das Spiegelreflexprinzip erfordert einen komplexen Strahlengang, damit ein aufrechtes Bild im Sucher der SX-70 erscheint und bei Auslösung auf den Film projiziert wird. Polaroid erreichte dies durch eine ungewöhnliche Anordnung von drei Spiegeln in untypischer, asphärischer Form. Die Einstellung des Fokus kann über ein Drehrad neben dem Objektiv erfolgen. Außerdem gibt es auch heute noch ein umfangreiches Angebot an Zubehör.

Die SX-70er Kameras werden heute auch wieder als generalüberholte Vintage-Versionen angeboten und kosten richtig viel Geld. Ab 400 Euro kann man sich so ein edles Stück kaufen. Besser man stöbert auf Flohmärkten und im Internet nach gebrauchten, aber funktionstüchtigen Originalen – da sind die Preise deutlich niedriger.

Filme in Farbe oder Schwarzweiss mit jeweils 8 Bildern gibt es von Polaroid Original zum Preis von ca. 18 Euro oder von Impossible zum deutlich höheren Preis von fast 40 Euro. Worin der Unterschied liegt, kann ich selbst nicht beurteilen und auch Bewertungen von anderen Nutzern geben leider keinen Aufschluss darüber.

Filme manipulieren und experimentieren

Polaroid Kreative Techniken
Dry-Lift-Verfahren: Zwei Diapositive abgekratzt und übereinander gelegt.
Polaroid Kreative Techniken
Dry-Lift-Verfahren
Polaroid nach Behandlung mit Bleiche und Wasser
Polaroid nach Behandlung mit Bleiche und Wasser; aus der Serie Polaroid Secrets

Eine Besonderheit der von Polaroid produzierten SX-70-Filme war die Möglichkeit, ihn während der Entwicklung, und sogar noch darüber hinaus, zu manipulieren. Das geht auch noch mit den heutigen Integralfilmen. Mit der Insolvenz Polaroids im Jahre 2007 wurden zwar die Filmtypen SX-70 und 600er völlig vom Markt genommen, aber da Polaroid weiterhin über eine große Anhängerschaft verfügte, gelang es Impossible sowohl den Filmtyp 600 also auch den Filmtyp SX-70 wiederaufleben zu lassen.

Auch daran arbeite ich bereits.

Inzwischen bin ich jede Woche mit der Polaroid unterwegs und habe bereits eine Projektidee, die ich verfolge. Der Ausschuss hat sich mehr und mehr reduziert und die Ergebnisse gefallen mir immer besser. Aber auch die schlechten Bilder werden weiter verarbeitet. Entweder landen sie im Bleichebad (“Polaroid Secrets) oder ich probiere andere kreative Tools und Techniken aus. Die Möglichkeiten sind unendlich!

Literatur zum Thema Polaroid

Das Polaroid-Projekt: Die Eroberung durch die Kunst

The Polaroid Book: Instant and Unique – The Best Images from the Polaroid Collection

Polaroid: The Missing Manual

Polaroid Kreative Tools und Techniken

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