Experimente mit der Digitalkamera – Teil 1

Experimente schulen das Sehen

Das Experimentieren mit der Digitalkamera macht nicht nur Spaß und ist entspannend, sondern es schult auch das Auge. Es gilt, traditionelle Regeln und Techniken zu ignorieren und der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Dafür benötigt man auch keine professionelle Fotoausrüstung. Aber der Fotograf sollte sein Werkzeug kennen und die Grundbegriffe der Fotografie verstehen. Ob DSLR-, Kompaktkamera oder Smartphone – die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt.

Hier die wichtigsten Grundbegriffe kurz erklärt:

Blende und Verschlusszeit

Mit der Einstellung der Blende und der Verschlusszeit wird die Lichtmenge bestimmt. Die Blende ist dabei das Fenster und die Verschlusszeit gibt an, wie lange es offen bleibt.

Blende einer Kamera

Die Blende des Objektivs ist mit Zahlenreihen angegeben wie f/2,8, f/4, f/5,6, f/8 usw. Je kleiner die Zahl, umso offener das Fenster. Es fällt mehr Licht hinein.

Die Verschlusszeit wird auf die Bruchteile einer Sekunde eingestellt: 1/8, 1/15, 1/30, 1/60 usw.  Wählt man eine lange Belichtungszeit, z.B. 1/8 oder noch länger, fällt mehr Licht auf die Kamera. Um schnelle Bewegungen „einzufrieren“ benötigt man eine schnelle Verschlusszeit (je nach Motiv 1/125 oder mehr).

Grundsätzlich muss man je nach Motiv, Lichtverhältnissen und Bewegung die richtige Kombination wählen, damit das Bild auch gut wird. Ist die Kamera im Automatikmodus, sucht diese immer einen Mittelwert, was in vielen Situationen nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Es ist also besser, sich mit den manuellen Einstellungsmöglichkeiten seiner Kamera vertraut zu machen.

Als ich noch analog fotografiert habe, haben wir Bildjournalisten immer eine goldene Regel gehabt, die auch heute noch zutrifft: Wenn die Sonne lacht, nimm ein Tausendstel und Blende 8 (bei ISO 400).

ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt eigentlich die Lichtempfindlichkeit eines Films oder Papiers. Auch in der digitalen Kamera nimmt der ISO-Wert Einfluss auf die Belichtung. ISO-Wert, Blende und Verschlusszeit arbeiten immer zusammen.

Ein niedriger ISO-Wert (z.B. 100) ergibt die beste Bildqualität, benötigt aber mehr Licht. Ein hoher ISO-Wert  (z.B. 1600) erzeugt ein sog. Rauschen im Bild, ist aber gut bei schlechten Lichtverhältnissen.

Motiv ohne und mit Bildrauschen

Die Automatik-Einstellung einer Kamera wählt immer einen ISO-Wert, der noch eine gute Verschlusszeit ermöglicht, ohne dass die Bilder verwackeln.

Alle drei Einstellungen sind mit der DSLR-Kamera, der Kompaktkamera und mit dem Smartphone möglich. Für das Smartphone empfehle ich zum Fotografieren eine App. Eine Auswahl findet ihr unter „Apps für Fotografen“.
Auch die Schärfe lässt sich mit allen Kameras manuell steuern.

Experimente mit der Digitalkamera

Unschärfe

Unschärfe - Am Germeringer Bahnhof

Unscharfe Bilder können eine ganz besondere Faszination ausüben, denn durch die Abstraktion wird die Fantasie des Betrachters angeregt. Ein Bild, das keine scharfen Details zeigt, kann durchaus eine Geschichte erzählen, so wie meine Bilderserie „Am Bahnhof“. Diese entstand an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit. Durch den Einsatz einer langen Brennweite und einem kleinen Blendenwert wurde der Effekt noch verstärkt. Der Einsatz des Teleobjektivs hatte außerdem den Vorteil, dass ich die Personen auch aus der Entfernung fotografieren konnte.

Experimente mit der Digitalkamera: Unschärfe

Für das Fotografieren von unscharfen Bildern benötigt ihr eine DSLR- oder Kompaktkamera. Mit dem Smartphone funktioniert dieses Experiment nicht wirklich, da das Objektiv nicht manuell gesteuert werden kann.

Das Objektiv müsst ihr auf manuelle Steuerung setzen (MF) und die Blende sollte möglichst offen sein (kleine Zahlen wie f/2,8 oder f/4,5). Die Belichtungszeit kann auf Automatik gestellt werden. Wählt dann euer Motiv und dreht soweit an dem Fokusring, bis das Bild unscharf wird. Probiert mehrere Variationen aus. Interessante Effekte erzielt ihr auch im Gegenlicht.

Schatten

Experimente mit der Digitalkamera: Schatten

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Besonders die Morgen- und Abendstunden, wenn die Sonne tief steht, sind sehr gut für Schattenbilder geeignet.

Schatten haben eine besondere Wirkung in Schwarz-Weiß. In Farbe fotografierte Bilder lassen sich später in einem Bildbarbeitungsprogramm gut umwandeln.

Im Prinzip eignen sich alle Motive für die Schattenfotografie. Probiert Gegenstände aus, aber auch Bewegung. Selbstportraits sind ebenfalls eine interessante Möglichkeit. Ich habe eine kleine Serie von den Schatten der Bäume fotografiert. Die Bilder sind bei einem Waldspaziergang in den Morgenstunden entstanden.

Schatten

Für Schattenbilder benötigt man keine besonderen Einstellungen oder Kameras.

Farben

Experimente mit der Digitalkamera: Farbe

Kräftige Farben, besonders in Kombination mit Form und Abstraktion sind immer schon ein wichtiger Bestandteil in der Kunst gewesen.

Die Welt ist bunt und es bieten sich viele Motive an. Beim Fotografieren von Farbe kommt es auf Details an. Macht einen Spaziergang in eurer Umgebung und haltet Ausschau nach besonders kräftigen Farben. Das kann eine Hauswand sein, ein Auto oder auch eine Mülltonne.

Besonders schön sind auch Kombinationen mehrerer Fotos in den gleichen Farbtönen. Daraus lassen sich schöne Collagen gestalten.

Collage

Die Fotos lassen sich mit jeder Kamera machen, auch im Automatik-Modus. Wichtig ist der Bildausschnitt. Farbe nur als Fläche, kombiniert mit Linien und Formen, sind sehr ausdrucksstark.

Spiegelungen

5 Experimente mit der Digitalkamera: Spiegelungen

Reflexionen und Spiegelungen zeigen sich im Wasser, in Spiegeln und auf Glasflächen. Das kann eine Pfütze sein, ein Autospiegel oder eine Fensterscheibe.

5 Experimente mit der Digitalkamera: Spiegelungen

Macht einen Spaziergang in der Stadt – dort gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Schaut euch nach reflektierenden Flächen um und was sich darin spiegelt. Macht möglichst  Nahaufnahmen von dem Motiv. Dafür eignet sich ein Teleobjektiv am besten.

Um unterschiedliche Effekte zu erzielen, probiert mal verschiedene Perspektiven und spielt mit der Schärfentiefe. Diese lässt sich über die Belichtungskorrektur steuern (je offener die Blende, desto weniger Schärfentiefe).

Bewegung

Bewegung in der Fotografie

Dieses Experiment erfordert etwas Übung und läßt sich am besten mit einer DSLR-Kamera realisieren, denn alle Einstellungen (Autofocus, Blende, Verschlusszeit, ISO-Wert und Serienbildfunktion) sollten manuell vorgenommen werden. Andere Kameras haben eine zu große Auslöseverzögerung. Hier geht es auch beim Fotografieren um Schnelligkeit.

Normalerweise wird Bewegung mit der Kamera „eingefroren“. D.h. die Bewegung  bleibt im Moment der Aufnahme stehen und ist scharf. Bestes Beispiel hierfür sind Sport- und Actionaufnahmen. Dafür benötigt man eine schnelle Verschlusszeit.

Der Grund, warum bewegte Motive oft unerwünscht unscharf sind, ist eine zu lange Belichtungszeit. Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen wird es schwierig, Bewegung einzufrieren. Bei allen Motiven, in denen sich etwas bewegt, ist die Belichtungszeit der entscheidende Faktor für das Bildergebnis. Deswegen sollte man bewegte Motive grundsätzlich nicht im Atomatikmodus fotografieren, weil hier die Kamera immer einen Mittelwert für Blende und Verschlusszeit wählt, die nur selten zum erwünschten Ergebnis führt.

In diesem Experiment wollen wir aber Bewegung zeigen. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden:

Wischeffekt

Um einen Wischeffekt auf euren Bildern zu erzeugen gibt es folgende Möglichkeiten:

a) Die Kamera wird mit dem Motiv in die gleiche Richtung bewegt. Wenn ihr z.B. einen Motorradfahrer fotografiert und die Kamera dabei mitzieht, verschwimmt der Hintergrund in Unschärfe, während das Hauptmotiv noch scharf bleibt. Je nach Brennweite des Objektivs wählt ihr die Belichtungszeit. Bei langen Telebrennweiten ist oft auch eine Belichtungszeit von 1/125 s schon ausreichend. Es ist aber einfacher, Mitzieher aus geringerem Abstand und mit Belichtungszeiten zwischen 1/50 bis 1/10 s zu fotografieren. Wichtig ist vor allem, dass ihr die Kamera beim Auslösen mit dem Motiv mitbewegt und dabei auf einer Linie bleibt.

Wischeffekt

b) Die Kamera ist statisch, nur das Motiv bewegt sich. Hierfür müsst ihr die Kamera auf ein Stativ befestigen und eine lange Belichtungszeit von 1/10 oder länger (macht ein paar Testaufnahmen) einstellen. Der in der Kamera integrierte Bildstabilisator sollte deaktiviert sein.

Bewegung in der Fotografie

Pseudo-Bewegung

Die Pseudo-Bewegung simuliert Bewegung, wo keine ist. Sie wird nur über eine sehr lange Belichtungszeit und eine Bewegung der Kamera oder eines Zoom-Objektivs erzeugt.

Pseudo-Bewegung

Die Kamera wird auf ein Stativ gestellt. Bei einer sehr niedrigen ISO-Einstellung könnt ihr dann eine lange Belichtungszeit von 1/2 Sekunde oder länger einstellen. Auch hier empfiehlt es sich, mehrere Testaufnahmen zu machen. Während der Belichtung könnt ihr dann z.B. zoomen. Dabei solltet ihr auf eine langsame und gleichmäßige Bewegung achten.

Das ganze kann man auch ohne Stativ machen und sich nach vorne oder hinten bewegen.  Die Bewegungsrichtung sollte sich nach den dominanten Linien des Motivs richten. Das funktioniert auch mit der Kompaktkamera oder dem Smartphone (siehe Bild unten).

Bewegung in der Fotografie

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