Frauenbewegung – brauchen wir das noch?

Nach der erfolgreichen Premiere anläßlich des 30. Jubiläums der Gleichstellungsstelle Germering ist mein Film „Frauenbewegung – brauchen wir das noch“ auch online zu sehen.

Sichtweise verschiedener Generationen

Premiere des Films "Frauenbewegung - brauchen wir das noch?"
Premiere des Films „Frauenbewegung – brauchen wir das noch?“

In dem Film führe ich Interviews mit Frauen unterschiedlicher Generationen. Sie erzählen von den Anfängen der Frauenbewegung in Germering, der Wirkungsweise von Feministinnen gestern und heute und stellen sich die Frage, wie sich die Frauenbewegung verändert hat und ob wir diese überhaupt noch brauchen.

Als ich mein erstes Interview mit Marhild Liebermann, Frauenreferentin in Germering von 1987 bis 1992, war ich ähnlicher Ansicht wie sie. Auch ich fand die neue Frauenbewegung, die sich heute vor allem über den Sexismus definiert, zu unpolitisch. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Radikalität einer Alice Schwarzer zwar anfangs noch gut fand, aber später ganz und gar nicht mehr überzeugt von ihrer Vorgehensweise war. Muss eine Frauenbewegung denn radikal sein? Auch diese Frage habe ich meinen Interviewpartnerinnen gestellt und ich war erstaunt, dass zwischen den unterschiedlichen Generationen der Frauen doch ein gemeinsamer Konsens zu finden war. 

Ich wollte den Film in chronologischer Folge drehen und so führten mich meine Recherchen zu Brigitte Breidenbach, Mitbegründerin der Germeringer Fraueninitiative in Germering (GeFi) und Ulrike Hecker, die in der katholischen Kirche aktiv war und sich auch dort vehement für die Rechte von Frauen eingesetzt hat.

Auch Frauen meiner eigenen Generation kommen in dem Film zu Wort. Meine Auftraggeberin Renate Konrad ist seit 2001 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Germering und Evi Seidel, Leiterin der VHS vor Ort, hat jahrelang bei den Germeringer Frauentagen mitgewirkt.

Spannend war auch das Gespräch mit Susan Schaubhut, Mutter von drei kleinen Kindern. Von ihr wollte ich wissen, wie der Spagat zwischen Familie und Beruf zu bewältigen sind und ob die Karrierechancen berufstätiger Mütter heute besser sind als früher.

Am Ende führte ich dann ein langes Gespräch mit Fee Brembeck (Fee Poetry Slam). Ihre Ansichten machten mich nachdenklich und mir wurde bewusst, wie sehr die Erziehung und das gesellschaftliche Umfeld uns prägt. Ich habe einen Sohn anfang Zwanzig, der sich selbst als Feminist bezeichnet und sich für die Gleichberechtigung nicht nur für Frauen, sondern für alle Geschlechter einsetzt. Ich kann sagen, dass diese beiden jungen Menschen meinen Horizont hinsichtlich meiner Einstellung zur Gleichberechtigung deutlich erweitert haben.

Frauenbewegung darf auch radikal sein

Zusammen mit der heuteigen Gleichstellungsbeauftragten Renate Konrad und ihrer Vorgängerin Antje Hettler bei der Premierenfeier
Zusammen mit der heuteigen Gleichstellungsbeauftragten Renate Konrad und ihrer Vorgängerin Antje Hettler bei der Premierenfeier Foto: Günter Reger

Für mich war dieser Film eine Zeitreise durch die Geschichte der Frauenbewegung in den letzten 30 Jahren und ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich diese Zeiten selbst erlebt habe. Im Hinblick auf die aktuelle Sexismus-Debatte ist dieses Thema wieder aktueller denn je und manchmal habe ich das Gefühl, dass sich eigentlich seit den letzten großen Druchbrüchen der Frauenbewegung in den 70er-Jahren nicht wirklich viel geändert hat. Und so bin ich der Überzeugung, dass wir sehr wohl noch eine Frauenbewegung brauchen und die darf auch oder muss sogar radikal sein.