Polaroid 250 Automatic Land Camera

Bei meinem ersten Versuch mit einer modernen Polaroid Kamera, der Fuji Instax 9, stellte ich fest, dass diese Art von Sofortbildkamera für meine Zwecke völlig ungeeignet ist. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Kamera, die auch professionellen Ansprüchen genügt.

Auf dem Flohmarkt fand ich keine einzige Sofortbildkamera, im Internet dafür umso mehr. Besonders die billigen Einsteigermodelle von Polaroid mit 600er-Film aus den 80er- und 90er Jahren werden in allen Ausführungen angeboten. Ich wollte aber eine Sofortbildamera mit mehr manuellen Einstellmöglichkeiten und einem Entwicklungsverfahren, das mir auch eine Weiterverarbeitung bzw. einige Experimente erlaubt. Deswegen kam nur eine Land Camera mit Trennbildverfahren in Frage. Für 35 Euro inkl. Versandkosten erstand ich eine Polaroid 210 Automatic Land Camera.

Polaroid 250 Automatic Land Camera

Polaroid 250 Automatic Land Camera

Die Polaroid 210 Automatic Land Camera wurde zwischen 1967 und 1969 in einer Stückzahl von 1.500.000 produziert. Sie ist eine der bekanntesten Packfilm-Kameras und konnte als erste Farben produzieren.

Die 210 hat zwei Geschwindigkeitsstufen, 75 ASA für Farbfilm und 3000 für Schwarzweiß. Die Filmempfindlichkeit wird mit einem Schalter an der Oberseite des Objektivgehäuses gewählt. Die Blende kann manuell über “Abdunkeln” und “Aufhellen” gesteuert werden. Die Verschlusszeiten liegen bei 1/1200 bis 10 Sekunden. Eine Langzeitbelichtung ist schwierig, da die Kamera kein Stativgewinde hat. Das Fokussieren funktioniert über einen Hebel, der mechanisch mit dem Objektivgehäuse verbunden ist. Die Linse wird dabei näher oder weiter weg von der Filmebene gelenkt.

Filme werden nicht mehr hergestellt

Bereits 2016 kam die erschreckende Nachricht, dass Fujifilm als letzter Hersteller weltweit die Produktion des Trennbildfilms FP-100C einstellen werde. Zwei Jahre zuvor wurden bereits die FP-3000b (Schwarzweiß) und zwei Filmarten der FB-100C-Reihe vom Markt genommen. Das sollte das Aus für die Polaroid Land Cameras bedeuten und seitdem werden diese Kameras zu Hamsterpreisen verkauft.

Es gibt aber immer noch Filme, nur sind die Preise entsprechend hoch. Für einen FP-100C (10 Bilder) zahlt man mindestens 38 Euro. Dass bedeutet, der Preis pro Bild liegt bei durchschnittlich 4 Euro.

Das erste Bild ist für den Müll

FP 100C

Beim Einlegen des ersten Films ging ich mit größter Vorsicht vor. Hierbei half mir eine Videoanleitung von Michael Raso. Alles ging gut und nun war endlich der große Moment gekommen.

Mit dem Zeigefinger bewegte ich den Hebel und drückte auf den Auslöser. Ich zog an der weißen Papierlasche mit dem Aufdruck “1”, um den Vorspann für die Filmwiederherstellung zu öffnen. Dann zog ich den Film – ich war wirklich aufgeregt – von der Kamera.

Jetzt begann der Entwicklungsprozess und mir stieg der Geruch längst vergessener Zeiten in die Nase. Der Chemiegeruch in der Dunkelkammer. Nostalgie pur!

Ich wartete etwa 90 Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Dann die große Enttäuschung: das Bild war vollkommen schwarz. Was hatte ich falsch gemacht?

Batteriepaket basteln

Ich ging noch einmal alles durch und untersuchte die Kamera genauer. Es ist wirklich peinlich, aber ich hatte keine Batterie eingelegt! 4 Euro waren also schon einmal für den Müll. Ich untersuchte das Batteriefach und stellte gleich fest, das ich ein Problem hatte: der Verschluss und der Belichtungsmesser werden von einer 532 3 V Alkaline Batterie betrieben, die nur sehr schwer zu finden ist und ebenfalls einen stolzen Preis hat.

Nach einigen Recherchen fand ich im Internet eine Bastelanleitung, wie man mit 2 AA-Batterien, einer entsprechenden Halterung, einer Kabelzange und etwas Isolierband ein Paket basteln kann, das dann in das Batteriegehäuse der Kamera gesteckt wird.

Leider verzögert sich die Lieferung der Batterie-Halterung, so daß ich das Experiment noch nicht fortsetzen konnte. Ich hoffe aber, dass ich das in den nächsten Tagen  nachholen kann. Bericht folgt…

Kurze Geschichte der Polaroid-Kameras

Die erste Landkamera, eine Balgenkamera, wurde 1947 vorgestellt und konnte zunächst nur Schwarzweißbilder, genau genommen, sepiafarbene Bilder machen. Erst 1963 erschien der ersten Farbfilm. Die ersten Filme waren sogenannte Trennbildfilme, die aus einem Negativ und einem Positiv bestanden.

Beim Trennbildverfahren werden die Bilder samt Film nach der Belichtung seitlich aus der Kamera gezogen, wobei der Film zwischen zwei Walzen hindurchläuft, die wiederum die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilen. Nach ungefähr 30 bis 90 Sekunden Entwicklungszeit kann man das fertige Positiv abziehen.

Der Trennbildfilm ist in der Herstellung sehr aufwendig. Das Filmpack-Gehäuse besteht aus Metall und Kunststoff. In ihm sind die Bildeinheiten in zusammengelegter Form untergebracht. Beim Einlegen des Trennbildfilms werden die weißen Streifen so verlegt, dass diese nicht verklemmen. Die Rückwand der Kamera wird mit einem Klemmverschluss geschlossen.

Nach der Aufnahme wird zunächst ein weißer Streifen aus dem seitlich angebrachten Ausgabefach gezogen. Ihm folgt etwas versetzt aus einem weiteren Schlitz ein bedruckter Handgriff aus Papier. Durch kontinuierliches Ziehen wird die Bildeinheit aus der Kamera entnommen, womit gleichzeitig der Entwicklungsprozess beginnt.

Im Jahr 1972 wurde die legendäre SX-70 vorgestellt, die mit einem Integralfilm arbeitet. Gleichzeitig kamen die ersten Sofortbildkameras mit Spiegelreflexobjektiv auf den Markt.

In den 90-Jahren ging es dann mit Polaroid bergab. Die neuen Produkte kamen nicht an und die Produktion bald wieder eingestellt. 2008 stellte das Unternehmen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens die Produktion von Sofortbildkameras ein.

Das Unternehmen Impossible wollte die Sofortbildkamera vor dem Aussterben retten und so übernahm es das niederländische Werk für Polaroid-Filme in Enschede. Sie stellten geeignete Filme her, reparierten auch alte Polaroid-Fotoapparate und machten sie wieder funktionstüchtig. Heutzutage gelten die Kameras als beliebte Trendobjekte und Sammlerstücke.

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