Test Fujifilm X-T20 Systemkamera

Die Qual der Wahl

Welche Kamera soll ich kaufen? Vor dieser Entscheidung stand ich und habe lange überlegt. Zunächst interessierte ich mich für die Lumix Panasonic DC-LX100M2EG Kompaktkamera. Ich hatte bereits vor Jahren ein Vorgängermodell (Lumix LX7), das mich wirklich begeistert hat. Für mich war es aber nur eine zusätzliche Kamera, die kompakt, klein, leicht und dennoch eine gute Qualität aufzuweisen hatte.

Bei der Vielzahl an unterschiedlichen Kamerasystemen und Modellen sollte man sich vor dem Kauf vor allem eine Frage stellen: was will ich mit der Kamera machen, welche Funktionen sind für mich wichtig?

In meinem Fall ging es zunächst einmal um eine hohe Auflösung. Als Bildjournalistin ist eine Spiegelreflexkamera unentbehrlich und aus meiner Sicht auch nicht durch ein anderes Kamerasystem zu ersetzen. In diesem Job deckt man eigentlich fast alle Bereiche der Fotografie ab. Von der Reportage bis zur Sportfotografie ist alles dabei. Geschwindigkeit spielt deshalb eine ebenso große Rolle wie Flexibilität. Diese Anforderungen werden von einer DSLR, auch im Mittelklassebereich bestens erfüllt.

Jetzt arbeite ich aber mehr künstlerisch und die Bilder sollen auch mal im großen Format in einer Ausstellung hängen. Da ich viel in der Natur unterwegs bin, möchte ich nicht mehr die schwere Ausrüstung mit mir rumschleppen. Kleiner und leichter soll die „Neue“ sein. Außerdem habe ich es nicht mehr eilig. Ein superschneller Autofokus und Serienbilder spielen keine entscheidende Rolle mehr. Wichtigste Voraussetzungen für mich: ein gutes Objektiv, ein Sucher, Dioptrinkorrektur, ein Blitzschuh für externe Blitzgeräte, ein klappbarer Monitor und vollständige manuelle Kontrolle. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen.

Was ich eigentlich überhaupt nicht brauche sind die vielen Extras: etliche Motivprogramme, Filter oder auch eine Filmfunktion (dafür benutze ich eine andere Kamera). Leider gibt es aber keine minimalistischen Foto-Kameras mehr.

Testergebnisse

Noch habe ich die Fujifilm X-T20 nicht in allen Aufnahmesituationen testen können, bin aber mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden.

Gehäuse und Ergonomie

Fujifilm X-T20

Als ich die Kamera zum ersten Mal in der Hand hatte, fühlte es sich schon deutlich anders an, als ich es von der DSLR gewohnt bin. Gut gefällt mir das Retrodesign, das an „alte Zeiten“ erinnert. Die Kamera misst etwa 12 x 8 Zentimeter und wiegt ohne Objektiv weniger als 400 Gramm. Das Gehäuse ist robust verarbeitet, liegt aber nicht so gut in der Hand, da ein ausgeprägter Handgriff fehlt. Optional kann man mit dem Unterschraubgriff MHG-XT10 nachhelfen. Dieser behebt auch ein weiteres Manko: das Stativgewinde auf der Unterseite sitzt weit außerhalb der optischen Achse und zu dicht neben dem Akku- und Speicherkartenfach, so dass dieses bei Verwendung einer Stativwechselplatte blockiert wird.

Ausstattung

Fujifilm X-T20

 

Die Fujifilm X-T20 verfügt über viele Einstellräder und Tasten, mit denen sich Belichtungszeit, Aufnahmemodus, Belichtungskorrektur und andere Funktionen einstellen lassen. Nur ein ISO-Rad fehlt. Wie bei jeder anderen Kamera ist das Kontext-Menü aufgrund seiner etlichen Einstellungsmöglichkeiten etwas unübersichtlich. Zum Glück gibt es aber ein Quickmenü mit 16 Funktionen, das schnell zu erreichen und individuell programmierbar ist.

Neben den gängigen Aufnahmemodi gibt es auch die Möglichkeit Serienbilder oder Doppel- oder Langzeitbelichtungen zu machen.

Fujifilm X-T20

 

Beim rückwärtigen Bildschirm der Fujifilm X-T20 handelt es sich um einen Touchscreen, der sich auch nach oben und unten klappen lässt, so dass auch Aufnahmen in Bodennähe gut zu machen sind. Der Monitor misst gut 7,5 Zentimeter in der Diagonale und löst mit 1,04 Millionen Bildpunkten im 3:2-Seitenverhältnis ausreichend fein auf.

Der Verschluss der X-T20 arbeitet wahlweise mechanisch (bis 1/4.000 Sekunde) oder elektronisch (bis 1/32.000 Sekunde) und damit völlig lautlos.

Wichtig für mich ist auch die Aufnahmemöglichkeit im Raw-Format. Hier lässt sich auch eine verlustfreie Rohdatenkompression aktivieren.

Der Autofokus der Kamera ist zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, denn die werkseitige Einstellung steht auf ständig aktiviertem Autofokus. Bei dieser Auslösepriorität hat die Schärfe nicht immer Vorrang. Stellt man die Kamera auf Schärfepriorität und deaktiviert Vor-Autofokus, so wird der Autofokus langsamer, aber der Stromverbrauch sinkt und der Fokus wird genauer.

Richtig klasse ist das manuelle Fokussieren mit der Fujifilm X-T20. Man kann nicht nur jederzeit den Autofokus auf Knopfdruck zur Hilfe nehmen, sondern die Kamera hat auch eine digitale Schnittbildsimulation, die es nur bei Fujifilm gibt. Hinzu kommen eine Fokuslupe sowie Fokuspeaking. Eine Schärfeskala auf dem Bildschirm zeigt die Entfernung und eine blendenabhängige Schärfentiefe an.

Die Kamera enthält einen integrierten Blitz, der mehr Standardfunktionen beherrscht als üblich. Über die Langzeitsynchronisation und einen Anti-Rote-Augen-Vorblitz ist auch eine Belichtungskorrektur und eine manuelle Blitzleistungsregelung möglich. Dennoch ist ein externer TTL-Blitz definitiv die beste Wahl, zumal man mit diesem auch indirekt blitzen kann.

Bildqualität

Der APS-C-Sensor der Fujifilm X-T20 löst 24 Megapixel auf und besticht durch eine gute Farbwiedergabe.

Mit dem hochwertigen, lichstarken 18-55mm-Zoom, F2,8-4, deckt man einen Kleinbild-Brennweitenbereich von ca. 27 bis 83 Millimetern ab. Bisher habe ich beim Fotografieren keine Randabdunkelungen, Verzeichnungen oder Farbsäume feststellen können. Bis ISO 1600 zeigt sich außerdem kaum ein Bildrauschen und die Farbtreue und Farbtiefe gefallen mir ebenfalls.

Videos

Die Kamera filmt wahlweise in 4K-Auflösung mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde oder in Full-HD sowie HD-Ready mit jeweils bis zu flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Der Autofokus regelt die Schärfe erstaunlich gut nach. Besonders lobenswert ist die Möglichkeit, auch ein externes Mikrofon anzuschließen. Zudem gibt es jede Menge Filtereffekte (die kein Mensch braucht). Gespeichert wird im MOV-Format mit H.264-Kompression mit bis zu 100 Mbit/s Qualität (in 4K).

Fazit

Die Fujifilm X-T20 verfügt über zahlreiche Funktionen, die keine Wünsche offen lassen. Wie umfangreich die Einstellungsmöglichkeiten sind, lässt sich in der rund 100 Seiten umfassenden Bedienungsanleitung nachlesen.

Auch wenn die Kamera für mich etwas gewöhnungsbedürftig ist, bin ich sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Die X-T20 ist eine leichte und handliche Kamera, die ich immer dabei habe und für fast alle Aufnahmesituationen mehr als ausreichend ist. Die Auflösung und die Bildqualität sind sehr gut. Zu erwähnen ist noch, dass es für die Kamera eine große Auswahl an hochwertigen Objektiven gibt.


Produktbeschreibung

24,3 Megapixel
Inkl. Fujinon XF (18-55mm /F2,8-4 OIS)
7,6 cm (3,0 Zoll) Touch LC-Display
Videoaufnahmen in 4K 2160p
WiFi, Panorama
Preis: ca. 1200,- €

Link zum Hersteller: https://fujifilm-x.com/de-de/products/cameras/x-t20/

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